Die Vier
von Rüdiger Kinsky
Keine Frage, der Partei Bündnis 90/ Die Grünen geht’s gold derzeit. Die Umfragewerte sind prächtig, die Chancen groß, kommendes Jahr stärkste politische Kraft im Berliner Abgeordnetenhaus zu werden, in der Hauptstadt die schlaff-matte Wowereit-Truppe auf den zweiten Platz zu verweisen und damit deren geistig sehr schlicht verfassten Chef aus dem Amt des Regierenden Bürgermeisters zu drängen. Der völlig überforderte und ungewaschen daherredende Mann, der ausschaut, als sei für ihn der Gipfel aller Tafelfreuden, zu knusprigen Schrippen, harten Buletten und mittelscharfem Senf aus hübschen Flöten süßlichen Schaumwein zu schlürfen, hat, mit Giovanni Trapattoni gesprochen, fertig, und das in der Tat total.
Es wäre für die Berliner ein Segen, würden sie von diesem Regierenden Klaus und dem Senat befreit, den er führt und der ein Personal besitzt, das man ziemlich freundlich qualifiziert, wenn man es mit dem einer Feydeau- Komödie vergleicht. Also, dass der, den seine Genossen zärtlich Wowi nennen, beste Aussichten hat, bald sein Amt loszuwerden und sein Restleben lang von morgens bis tief in die Nacht in der Stadt herumzuschlendern, das ist ganz entzückend.
Ganz mies ist aber, wer ihn zu beerben droht. Und noch mieser ist, dass Bündnis 90/Die Grünen demoskopisch erhärtet Grund haben, als wahrscheinlich zu betrachten, im nächsten Jahr auch in Baden-Württemberg den Ministerpräsidenten zu stellen. Was Wunder, dass die „Großen Vier“ der Partei, die dauerverwirrte Claudia Benedikta, der unendlich geschwätzige Cem, die grob-rohe Renate, die sich die Wowi-Position zu erpöbeln anschickt, und der Ewiggrinser Jürgen schon jetzt mächtig die Backen aufblasen und Töne anschlagen, die eine Melodie erklingen lassen, die man betiteln könnte: „Spiel mir das Lied vom Sieg!“
Wer jedoch genauer hinhört und ein Kenner des Werks von Karl Kraus ist, der wird sich sofort an dessen grandioses Buch „Die Katastrophe der Phrasen“ erinnern, darin noch einmal wenigstens einige der Essays und Glossen lesen und ausrufen: „Sie handeln ja exakt von Claudia Benedikta, Cem, Renate und Jürgen!“ Wer freilich in diesen Tagen mit leicht mulmigem Gefühl das Spitzenquartett der Grünen unentwegt jene Melodei anstimmen und die lustige Viererbande ubiquitär sei’s zur Energiepolitik, sei’s zu Stuttgart 21, sei’s zur Migrationsthematik sich äußern hört und noch kein Kenner des Werks von Karl Kraus ist, der sollte unverzüglich „Die Katastrophe der Phrasen“ erwerben und aufmerksam studieren. Er wird dann wissen, woher sein mulmiges Gefühl stammt, und er wird ausrufen: „Diese vier platten Opportunisten – nie!“









